Zeitarbeit – Übernahme durch Kunden: Macht es Sinn und was steckt dahinter?

2019/11/18
Zeitarbeit - Übernahme durch Kunden: Macht es Sinn und was steckt dahinter?

Seit 2017 gilt die sogenannte 18-Monats Frist für Zeitarbeiter, die vorsieht, dass kein Leiharbeiter länger als 18 Monate am Stück bei einem Betrieb tätig ist. Im Prinzip geht es bei dieser Gesetzgebung darum, so viele Zeitarbeiter wie möglich in eine feste Anstellung zu befördern. Wenn sich ein Betrieb dazu entscheidet, einen Leiharbeiter fest bei sich anzustellen, stoßen die meisten dann auf eine Vermittlungsprovision. Das bedeutet, dass der Verleiher sozusagen eine Vermittlungsgebühr vom Kunden erwartet. Was genau bei der Übernahme von Zeitarbeitern zu beachten ist, erfahren Sie hier.

Was bedeutet die Übernahme von Zeitarbeitern im Einzelnen?

Die Übernahme eines Zeitarbeiters vom Zeitarbeitsunternehmen (Entleiher) zum neuen Betrieb verläuft im Prinzip wie ein ganz normaler Arbeitgeberwechsel. Der Zeitarbeiter muss seinen Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen kündigen. Dabei kommt es aber auch darauf an, ob das Zeitarbeitsunternehmen einer vorzeitigen Auflösung des Arbeitsvertrags zustimmt oder nicht. Ist dem nicht der Fall, muss der Zeitarbeitnehmer so lange für das Zeitarbeitsunternehmen weiterarbeiten, bis die Kündigungsfrist abgelaufen ist.

Mit Auflösung des Vertrags ist der Arbeitnehmer also nicht mehr vertraglich an das Zeitarbeitsunternehmen gebunden und kann somit eine Festanstellung bei einem anderen Unternehmen annehmen. Zum Abschluss der Vertragsauflösung ist das Zeitarbeitsunternehmen auch verpflichtet, dem ehemaligen Arbeitnehmer ein Zeugnis auszustellen, das dieser dann zum Beispiel für zukünftige Bewerbung nutzen kann.

Was hat es mit der Vermittlerprovision auf sich und muss man sich vor ihr fürchten?

Wie schon erwähnt, kann es sein, dass das Zeitarbeitsunternehmen, von dem sich der Arbeitnehmer trennen möchte, eine Vermittlungsprovision vertraglich bestimmt hat. Die ist grundsätzlich zulässig, muss aber dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz entsprechend gestaltet sein. Das bedeutet, eine vereinbarte Provision muss angemessen sein, wobei die Kriterien nicht vom AÜG genannt sind. Die zuständigen ordentlichen Gerichte übernehmen demnach die Beurteilung der Angemessenheit einer Vermittlerprovision. Grundsätzlich gilt eine Vermittlungsprovision als gültig, wenn sie:

  • Maximal zwei beim Zeitarbeitsunternehmen gezahlte Bruttomonatsgehälter ergibt
  • Sich entsprechend der Einsatzzeit eines Arbeitnehmers mindestens pro Quartal verringert
  • Ein Zeitarbeitnehmer weniger als 12 Monate bei einem Entleiher tätig war. Wenn der Arbeitnehmer länger beim Entleiher tätig war, darf das Zeitarbeitsunternehmen keine Vermittlungsprovision beantragen

Wofür Sie als Unternehmen bei Vermittlungsprovisionen achten sollten

Trotz der oben genannten gültigen Kriterien für eine Vermittlungsprovision gibt es auch Zeitarbeitsunternehmen, die mit sogenannten starren Klauseln versuchen, so viel Geld wie möglich von der Übernahme eines Zeitarbeiters an einen Kunden einzutreiben. Davor ist aber zu warnen. Tatsächlich kann es vorkommen, dass ein Zeitarbeitsunternehmen bis zu 3000 Euro pauschal von einem Kunden in Rechnung stellt, der einen Zeitarbeiter fest bei sich im Betrieb anzustellen versucht. Es gibt also einige Dinge, derer sich ein Unternehmen bewusst sein sollte, wenn es einen vorherigen Zeitarbeiter in eine Festanstellung übernehmen möchte.

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